Interview: Igel-Autobahn


Wir sprechen mit Sebastian Everding, Gründer der "Igel-Autobahn", Tierliebhaber und Bienenretter über sein neuestes Projekt und wieso es so wichtig ist, Igeln einen Lebensraum zu geben und diese vor möglichen Gefahren zu bewahren

Sebastian Everding

Lieber Herr Everding, neben Ihrer großartigen Arbeit als Bienenretter mit ihren Bienenfutter-Automaten, gehen Sie jetzt einen Schritt weiter und wollen auch Igel retten. Erzählen Sie mal von Ihrem neuesten Projekt, der „Igel-Autobahn“?

Für die Nahrungssuche durchstreifen die beliebten Stacheltiere nachts große Gebiete, oftmals sind viele Bereiche von undurchlässigen Zäunen und Mauern umgeben, so dass es Igeln immer schwerer fällt, den knurrenden Magen zu füllen. Mit der Igel-Autobahn schaffen Sie Durchgänge und signalisieren dies auf eine sympathische Art und Weise allen NachbarInnen und BesucherInnen, dass diese offenzuhalten sind.

Wie kam die Idee zu der „Igel-Autobahn“ und warum sind Igel so enorm gefährdet?

Ich bin vor einigen Monaten darauf aufmerksam geworden, dass die Population der Igel im urbanen Raum immer weiter sinkt. Auf der Flucht vor industrieller Landwirtschaft und dem immer stärkeren Einsatz von Pestiziden, galten Städte lange als Rückzugsgebiet für Igel.  Jedoch führt hier der Trend zu immer sterileren Gärten, dem Einsatz von Laubbläsern und Laubsaugern, Rasenmäh-Robotern und Schottergärten zu immer weniger Nahrung und Lebensraum.

Da geht es den Igeln nicht anders als Vögeln und Insekten. So müssen die nachtaktiven Igel immer größere Strecken zurück legen um Nahrung zu finden, dabei steigt natürlich auch die Gefahr, weil z. B. Straßen überquert werden müssen.

Muss ich Angst haben, dass Igel meinen Garten verunstalten oder mein angebautes Obst und Gemüse anfressen?

Igel sind keine Vegetarier, auf Ihrer Speisekarte stehen alle Arten von Insekten, vor allem Käfer. Schnecken fressen Igel (entgegen vieler Aussagen im Netz) nur in Ausnahmefällen in Ermanglung sonstiger Nahrung. Um das heimische Salatbeet oder die Erdbeeren machen Igel hingegen einen großen Bogen.

Wie kam es zu der Idee, die Produktion der angebotenen Produkte in der JVA Dortmund umzusetzen?

Grundsätzlich haben meine Produkte einen hohen Anspruch an Nachhaltigkeit, dazu gehört neben dem ökologischen natürlich auch der soziale Aspekt. Das in der Arbeitstherapie straffällig gewordenen Menschen handwerkliche Fähigkeiten beigebracht werden, um sie so nach Ende Ihrer Haftzeit für eine solche berufliche Tätigkeit vorzubereiten und ihnen so eine direkte Anschlussperspektive zu vermitteln, hat mich direkt überzeugt.

Was möchten Sie allen Menschen in Sachen Igel mit auf den Weg geben?

Zunächst einmal sind Igel wichtige Nützlinge und für alle Tiere im Garten gilt etwas, was den Menschen eigentlich von Vorteil sein sollte: Faulheit ist gut für den Garten! Mal nicht wöchentlich den Rasen mähen, einfach mal ein paar Ecken im Garten „unaufgeräumt“ lassen, altes Holz nicht zum Recyclinghof fahren, sondern z. B. Totholzhecken anlegen. Etwas weniger Perfektionismus im Garten schafft Nahrungs- und Lebensraum und mehr Freizeit für andere Dinge wie z. B. das Beobachten von alledem, was summt, brummt und krabbelt.

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